Vorsicht Anlagebetrug: Man(n) will an Ihr Geld

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Sie sind selbständig. Jeder weiß es. Es steht schließlich im Internet.

Für den Fall, dass Sie (Zahn-)Arzt sind …

… geht man davon aus, dass Ihre Taschen mit Gold und Silber gefüllt sind.

Das weckt Begehrlichkeiten. Und zwar nicht nur beim Finanzamt.

Auch Betrüger haben es heutzutage auf vielfältigste Weise auf Sie abgesehen.

Vor welchen Maschen – insbesondere was Anlagebetrug angeht – Sie sich in Acht nehmen sollten, erfahren Sie in diesem Artikel.

Der Anlagebetrüger – Fall 1

Auf einen Anlagebetrüger bin ich selbst vor Jahren bereits hereingefallen.

Dabei habe ich zwar kein Geld aber Zeit verloren. Und einige Nerven.

Die Geschichte trug sich ungefähr so zu:

Auf Empfehlung einer Mitarbeiterin stellte sich bei mir vor vielen Jahren ein Herr vor.

Nach eigenen Angaben machte er seit Jahren in Kapitalanlagen und Versicherungen. Aber natürlich nicht so wie alle anderen.

Nein, ihm ging es nach eigenem Bekunden ausschließlich um das Wohl seiner Kunden und nicht um die schnelle Provision.

Ich kann Ihnen heute kaum noch sagen warum. Aber dieser Bursche hatte mich irgendwie am Wickel.

Wenn ich zurückschaue, waren es drei Dinge, die mich damals von seiner Redlichkeit überzeugten:

1. Eine gemeinsame Ebene

Er sah nicht so aus wie man sich einen typischen Finanzmakler vorstellt.

Klein war er … wie ich. Und er hatte ein paar Pfunde zu viel …wie ich.

Vielleicht reichte das schon, um Vertrauen aufzubauen. Außerdem verstand er durchaus etwas vom Thema Steuern und Buchhaltung.

Man hatte also eine gemeinsame Ebene. Endlich mal wieder jemand, der es ehrlich mit seinen Kunden meint.

Dachte ich …

2. Humor als Waffe

Hinzu kam: Er war unfassbar witzig.

Jeder Satz beinhaltete eine Pointe. Kein billiger Herrenwitz. Nein, wirklich guter Humor.

Man freute sich über Termine mit dem Kerl, weil es immer viel zu Lachen gab. Irgendwie blendete mich das.

Humor schafft bei mir offensichtlich Vertrauen. Aber wohl nicht nur bei mir.

Wie ich im Rahmen der Recherchen für diesen Artikel heraus fand, wird Humor in Verkaufstrainings regelmäßig als Masche eingesetzt.

3. Das Umfeld

Das größte Gewicht hatte allerdings dieser Punkt: Er umgab sich mit wirklich seriösen und netten Menschen.

In seinem Netzwerk gab es beispielsweise einen Rechtsanwalt. Von diesem halte ich bis heute ausgesprochen viel. Wir haben immer noch Kontakt.

Wenn die Kunden des Betrügers anwaltliche Hilfe brauchten, wurde der seriöse Rechtsanwalt angerufen.

Wurde steuerliche Hilfe benötigt, war ich gefragt.

Und auch seine Kunden: Alles ehrliche und nette Unternehmer.

Und sein Netzwerk, seine Kunden und ich hatten alle miteinander gemeinsam, dass wir dachten:

„Wenn er oder sie mit dem Burschen Geschäfte macht, muss der doch seriös sein.“

Die Betrugsmasche

Was stellte der Herr also mit dem Geld seiner Kunden an?

Zum einen wurden unnötige Versicherungen verkauft. Zum anderen bediente er sich munter an den Konten der Kunden.

Teilweise mit gefälschten Unterschriften. In manchen Fällen „verwaltete“ er Depots und machte dann mit dem Geld, was wer wollte.

Es wurden Renditeversprechungen gemacht, die natürlich niemals erfüllt wurden.

Wenn ein Kunde an sein Geld wollte, wurde dieser mit dem Geld anderer Kunden vorerst ruhig gestellt. Ein klassisches Schneeballsystem also.

Glücklicherweise haben wir diesen Herrn nie empfohlen.

Irgendwann flog er dann auf. Ich hörte von einer Gefängnisstrafe …

Der Anlagebetrüger – Fall 2

Ein netter Mandant hatte Geld zur Verfügung. Es sollte gewinnbringend angelegt werden.

Irgendwie – ich weiß nicht mehr wie – erfuhr er von einer sehr professionellen Investmentfirma in Frankfurt.

Dies würde exklusiv nur absolute Topkunden betreuen. Die Renditen, die diese Firma mit dem angelegten Geld erzielte, waren traumhaft.

Erfolgreiche Manager gaben sich in dem Unternehmen die Klinke in die Hand. Bei Kundentreffen reihten sich die Sportwagen auf dem Parkplatz der Investmentfirma.

Nicht ganz koscher

Im Rahmen einer Finanzplanung, die ich für unseren Mandanten machte, kamen mir – und meinem Mandanten – auf einmal Zweifel.

Irgendwie sahen die Depotauszüge komisch aus. Auch fanden wir im Depot verschiedene, nicht abgesprochene Investments.

Wirklich misstrauisch wurden wir, als ich versuchte, jemanden in der Firma zu kontaktieren. Ich wurde abgewimmelt.

Der Kunde selbst hingegen bekam immer jemanden zu sprechen. Als mein Mandant dann die Investmentfirma um einen gemeinsamen Termin bat, wurde dieser zunächst vereinbart.

Als es aber hieß, dass ein Steuerberater – nämlich ich – an dem Termin teilnehmen würde, wurde alles ganz schnell wieder abgeblasen.

Daraufhin schalteten wir einen Anwalt ein. Es stellte sich heraus:

Alles Lug und Trug

Mein Mandant war einer der ersten, die ihr Geld zurückforderten. Nach meiner Erinnerung erhielt er den Großteil der Anlagesumme zurück.

Kurze Zeit später folgten weitere Kunden, die größtenteils leer ausgingen.

Das Geld war nicht mehr da. Die Depotauszüge mit den entsprechenden Aktien waren frei erfunden.

Der Anlagebetrüger – Fall 3

Vermutlich haben Sie vor einigen Jahren von der S&K-Gruppe gelesen.

Das waren die beiden angeblichen Immobilieninvestoren, die das Geld ihrer Kunden in Badewannen füllten und darin badeten.

Bevor die beiden Betrüger aufflogen, lief das Geschäft allerdings sehr ordentlich.

Auch hier hatte man es scheinbar mit zwei sehr charismatischen Geschäftsleuten zu tun, die einen offensichtlich erfolgreichen Geschäfts- und Lebensweg eingeschlagen hatten.

Als Kunde bekam man – über unabhängige Finanzmakler – Prospekte der S&K-Gruppe an die Hand. In Hochglanz, versteht sich.

Astronomische Renditen dazu. Und alles durch sichere Investments in Immobilien.

Damit wurde jedenfalls geworben.

Mehrfach baten mich Mandanten um Prüfung dieser Prospekte. Beim Lesen derselben stellte man allerdings schon fest, dass das Konstrukt sich rechtlich ganz anders verhielt, als es nach außen hin verkauft wurde.

Der Haken an der Sache

Man investierte gar nicht in Immobilien. Man durfte nur Darlehen geben. Belohnt durch tolle Zinsen.

Die Darlehen wurden dann mit Grundschulden abgesichert. Klingt gut, allerdings mit Grundschulden im zweiten Rang.

Sofern die Gesellschaft, die sich das Geld von den Anlegern geliehen hatte, pleite gehen sollte, bekamen die privaten Geldgeber ihr Geld also erst nach der Hausbank der Betrüger zurück.

Hochspekulativ war das aus meiner Sicht. Obwohl das genaue Gegenteil vermarktet wurde.

Meinen Kunden riet ich ab. Keiner hat – seien wir froh – diesen Mist gekauft.

Viele andere Anleger in Deutschland hingegen schon.

Der Anlagebetrüger – Fall 4

Die folgende Story liest man sonst nur in der Zeitung. Ist einem unserer Mandanten aber wirklich so passiert.

Ein kam zu einem nennenswerten Betrag an Geld. Kurze Zeit später lernt er einen sympathischen Burschen in einer Kneipe kennen.

Nach einem gemeinsamen Zechabend gesteht die neue Kneipenbekanntschaft:

„Ich habe Geld. Viel Geld. In Südafrika. Eine Diamantenmine. Ich komme nur nicht ran an die Klunker. Dafür brauchte ich Betrag XY, um verschiedene Genehmigungen zu erhalten. Wenn mir jemand das Geld leihen könnte, dann würde ich satte Zinsen zahlen …“

Sie können sich vorstellen, wie die Geschichte ausging.

Unser Mandant hat investiert. Kohle futsch. Wir wurden – leider – vorher nicht gefragt.

Fazit zum klassischen Anlagebetrug

Anlagebetrüger haben nach meiner Erfahrung alle gemeinsam, dass sie als überdurchschnittlich sympathisch wahr genommen werden und sich mit ehrlichen, netten Menschen umgeben.

Der NDR hat den Fall des bekannten Anlagebetrügers Felix Vossen im Rahmen eines wirklich empfehlenswerten Podcasts bearbeitet.

Nun aber genug zum Thema Anlagebetrug. Es gibt darüber hinaus noch weitere Betrugsmaschen.

Opfer wurden wir selbst bei einem …

Betrug durch Geschäftspartner

Es ist Jahre her, aber ich erinnere mich mit Grauen zurück, wie leicht ich selbst jemandem auf den Leim ging.

Ich betreute einen sehr netten und erfolgreichen Mandanten. Von Haus aus war er Rechtsanwalt, übte diesen Beruf aber nicht aus.

Aus verschiedenen Gründen machte er jedoch auf seinem beruflichen Lebensweg kehrt und wechselte als Angestellter in eine Anwaltskanzlei in der Region.

Da lag es nahe, die alten Kontakte zum eigenen Steuerberater aufzuwärmen, um vielleicht an Mandanten zu kommen.

Gesagt, getan.

Es wurde ein Termin gemacht und ich lernte den Kanzleigründer und Chef meines Mandanten kennen.

Das alte Lied

Wie sah der Kanzleigründer aus? Nicht besonders groß und ein paar Kilos zu viel.
Außerdem: Witzig und sympathisch.

Meine Güte, wann lerne ich etwas daraus …

Wie sah die Kanzlei aus? Teuer. Beste Lage, beste Einrichtung.

Kooperationspartner der Kanzlei? Alle wirklich seriös und nett.

Wir verstanden uns bestens … und wurden zum Subunternehmer des Anwalts. Wir betreuten dessen Mandanten in steuerlichen Fragen.

Das Ende vom Lied

Bei der Zusammenarbeit wunderte mich nur, dass dieser vermeintlich seriöse Anwalt plötzlich schlecht über meinen Mandanten, also seinen Angestellten sprach.

Doch nicht nur das.

Auch sprach er plötzlich schlecht über seriöse Kooperationspartner, die ich vorher kennengelernt und geschätzt hatte.

Insgesamt hatte man den Eindruck, dass alle Menschen in seinem Umfeld eigentlich Idioten seien.

Außer meiner Wenigkeit natürlich. Ich wurde gelobt und zum Essen eingeladen.

Aber irgendwann war der Herr Chef-Anwalt nicht mehr zu erreichen.

Komischerweise nachdem wir unsere Rechnungen geschrieben hatten …

Kein Anschluss unter dieser Nummer

Ab diesem Zeitpunkt ging niemand mehr ans Telefon und auch per Post oder E-Mail war der Jurist nicht mehr zu erreichen.

Wie wir später erfuhren, stellte der Anwalt stolze Anzahlungsrechnungen an seine Mandanten. Die Arbeit machten wir. Und wurden dann nicht bezahlt.

Und diese Vorgehensweise hatte Methode.

Angestellte wurden teilweise ebenfalls nicht bezahlt und auch andere Kooperationspartner gingen leer aus.

Wenn überhaupt, bekam man sein Geld nach langwierigen Prozessen, in denen auf Zeit gespielt wurde.

Ich danke Herrn Dr. Johannes Bender an dieser Stelle, dass er mit viel Hartnäckigkeit seinen Berufskollegen noch in die Knie gezwungen hat und wir letztendlich doch noch an unser Geld kamen.

Dies hat aber sehr lange gedauert und ich kenne Leute, die – um die eigenen Nerven zu schonen – auf Ihren Lohn oder Ihr Honorar verzichtet haben.

Wie ich hörte, hat sich irgendwann die Rechtsanwaltskammer des Falles angenommen.

Auf zur nächsten Betrugsmasche …

Die Registerfallen

Stellen Sie sich vor, Sie haben gerade Ihr Unternehmen gegründet. Üblicherweise erhält man dann viel Post von allerlei Behörden. Ein Einfallstor für Betrüger.

Das „Gewerberegister“, „Datenschutzregister“ oder „Datenschutzauskunftszentrale“

Wie sieht „amtliche“ Post normalerweise aus?

Umweltpapier. Viel Kleingedrucktes. Wappen oder Adler zieren den Briefkopf.

Und darauf setzen Betrüger. Genau in diesem Stil werden Briefe von angeblichen Behörden entworfen.

Den Schreiben beigefügt ist meist dann direkt der passende Überweisungsträger über 200 – 1.000 Euro Gebühren für irgendeine notwendige Eintragung.

Zahlt man nicht, hätte das – laut Anschreiben – negativen Konsequenzen.

Seien Sie bitte bei amtlichen Schreiben mit Zahlungsaufforderung immer vorsichtig.
Im Zweifel schicken Sie uns erstmal die Briefe.

Wenn es eine Betrugsmasche ist, sind Sie meist nicht das erste Opfer.

Sucht man die vermeintliche Behörde im Internet über eine Suchmaschine, findet man häufig direkt Hinweise auf Betrügereien in Diskussionsforen.

Seien Sie insbesondere vorsichtig, wenn auf einem Überweisungsträger eine ausländische Bankverbindung angegeben ist. Und lesen Sie aufmerksam – ausnahmsweise auch mal – das Kleingedruckte.

Dann sollten Sie auf diese Betrugsmasche nicht herein fallen.

Phishing-Mails

Vermutlich haben Sie bereits mit sogenannten Phishing-Mails Erfahrungen gesammelt.

Sie erhalten eine E-Mail, vermeintlich von Ihrer Hausbank. Oder eine Bewerbung. Oder eine E-Mail von einem Geschäftspartner. Gerne auch von Amazon oder Paypal.

In diesen E-Mails sollen sie dann bitte schön auf einen „Link“ klicken. Oder Sie sollen Ihre Bankdaten eintragen – aus Sicherheitsgründen, versteht sich.

Wenn Sie die Anweisungen der E-Mail befolgen, wird sich entweder von Ihrem Konto bedient oder Ihre Daten verkauft. Oder Ihr Rechner bzw. Server wird von einem Virus befallen.

Dieser Virus sperrt Ihnen beispielsweise den kompletten Zugang auf Ihre Daten.

Danach erhalten Sie eine nette E-Mail der Verbrecher mit einer Zahlungsaufforderung auf ein ausländisches Konto, um an die Daten wieder heran zu kommen.

Natürlich funktioniert das dann nicht.

Hoffentlich haben Sie gestern an die Datensicherung gedacht. Auch sollte in solch einem Fall eine Datenschutzverletzung geprüft werden.

Neuerdings gibt es übrigens auch Phishing-Mails von angeblichen Finanzbehörden.
Es wird eine Steuererstattung angekündigt. Wer freut sich da nicht?

Dazu müssen Sie nur mal eben auf den einen Link klicken …

Das Finanzamt wird Ihnen jedoch niemals E-Mails schicken, in denen eine Steuererstattung angekündigt wird.

Das Fazit

Kleine, freundliche, dickliche Herren können auch Verbrecher sein. Der Autor dieses Artikels ausgenommen.

Bei Geschäftspartnern, Post und E-Mails ist Vorsicht geboten. Steuererstattungen gibt es nur über uns.

Und wenn Sie in Zukunft unsicher sind, ob man Sie gerade über den Tisch ziehen will, sprechen Sie uns gerne an.

Grundsätzlich gilt: Seien Sie immer auf der Hut!

2 Kommentare

  1. von Marco Templin

    Toller Artikel – informativ und amüsant!

    • von Jens Hellmann

      Lieber Herr Templin, vielen Dank für das Lob. Ich hoffe man sieht sich bald mal wieder!

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