Zum Jahreswechsel: Ich bin Pac-Man und starte bei Null

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Seit ich Unternehmer bin, hasse ich ihn.

Den Jahreswechsel.

Kennen Sie noch den Computerspiel-Klassiker „Pac-Man“?

Dieses wunderbare Computerspiel, in dem man einen kleinen gelben Ball steuerte. Der Ball hatte die Aufgabe, in einem Labyrinth möglichst viele kleine Punkte zu fressen.

Hatte man alle Punkte abgeräumt, kam man ins nächste Level.

Ärgerlich war allerdings, dass kleine bunte Gespenster über den Bildschirm flitzten und einem dem Garaus machen wollten.

Mit hektischen Manövern und manchmal unter Benutzung eines „Fluchttunnels“ konnte man das ersehnte Ziel erreichen: Den HIGHSCORE.

Ich weiß nicht wie, aber auf wundersame Weise hat sich dieses Spiel vom Computer direkt in unsere Kanzlei verlagert.

Im Januar werde ich jedes Jahr wieder aufs Spielfeld gelassen. Und der Kampf geht los …

Das gelbe Gespenst: Die Kosten

Die Kosten des Unternehmens sind das gelbe Gespenst im Pac-Man-Spiel. Es jagt mich ab dem ersten Januar …

Und schon müsste man eigentlich über Kosteneinsparungen nachdenken: Brauchen wir diese oder jene Fachzeitschrift wirklich? Ist der Versicherungstarif noch optimal? Warum brauchen wir im Jahr 2017 eigentlich noch Radiergummis (Stichwort: „papierloses“ Büro)?

Allerdings kenne ich kein einziges Unternehmen, dass nur deshalb Gewinne macht, weil es Kosten einspart. Jedenfalls keine Gewinne, die von Dauer wären …

Nein, es gibt nur eine Möglichkeit das Kostengespenst wirklich zu besiegen: Man muss die kleinen weißen Punkte fressen. Je mehr weiße Punkte, desto mehr Umsatz.

Unternehmer müssen Umsatz machen.

Jeden Monat aufs Neue. Ab dem ersten Tag. Und da das gelbe Gespenst jedes Jahr wächst, muss der Umsatz auch noch von Jahr zu Jahr steigen.

Ich weiß, das ist auch für Sie sicher keine einfache Aufgabe. Aber wer sich mit seinem Unternehmen nicht verschlechtern will, kommt kaum daran vorbei.

Mehr Patienten beziehungsweise Kunden.

Preise überdenken.

Mehr Leistungen anbieten.

Andere Stellschrauben gibt es kaum.

Und es gibt noch mehr Gespenster. Das rote zum Beispiel …

Das rote Gespenst: Der Mitarbeiterwechsel

Schwangerschaften, eine neue Karrierechance, ein Umzug. Nur einige Beispiele, die mir jedes Jahr den Schweiß auf die Stirn treiben.

Fragt mich ein Mitarbeiter, ob ich fünf Minuten Zeit habe und schließt nach Betreten meines Büros die Tür, steigt schon der Puls.

Was kommt jetzt?

Im besten Fall hat Mitarbeiter A ein Problem mit Mitarbeiter B, welches (manchmal) relativ einfach zu lösen ist. Im schlimmsten Fall bekomme ich eine Kündigung auf den Tisch geknallt.

Und schwups, geht er dahin. Der Traum vom neuen „Highscore“ in diesem Jahr.

Doch so schnell gebe ich nicht auf.

Ich setze die gesamte Mitarbeitergewinnungs-Maschinerie in Bewegung: Anzeigenschaltung, Telefonate, Vorstellungsgespräche, gemeinsame Beratungen auf Partnerebene und mit Mitarbeitern.

Ein tückisches Gespenst, dieses Rote!

Aber, ich bin Pac-Man und kämpfe unbeirrt weiter. Bereit für den nächsten Gegner …

Das grüne Gespenst: Die Querschläger zu Hause

Die Kinder sind krank. Was tun? Wer sagt heute seine Termine ab? Mama oder Papa?

Können die Kinder mit ins Büro? Kommt rein zufällig ein Kinderarzt zum Beratungsgespräch (liebe Frau Dr. E., vielen Dank für Ihr Angebot, meine Kinder kurz im Büro zu untersuchen!)

Was, schon wieder Elternabend? Ein außerplanmäßiges Gespräch mit dem Lehrer?

Drei Martinszüge dieses Jahr? Gar kein Problem!

Für die Mathearbeit muss dringend noch gepaukt werden. Sitzen eigentlich die Vokabeln?

Der Kindergeburtstag muss auch noch geplant werden …

Freunde und Familie fragen, wann ich mal wieder Zeit hätte. Guter Witz!

Ja, sehen die denn nicht, was hier los ist …?

Das sind meine Gespenster

Sie lassen mich nicht los. Jedes Jahr. Wieder von vorne. Alte und neue Herausforderungen.

Und dann, ganz plötzlich, man hat das Jahr fast schon hinter sich gebracht, steht Weihnachten vor der Tür.

Ging übrigens wieder mal gefühlt schneller als im Vorjahr …

Man hat mit seinen Gespenstern gerungen und ist halbwegs durch die Level gekommen. Ich schaue auf den Punktestand:

Die eigene betriebswirtschaftliche Auswertung.

Och, ging ja. Passt doch halbwegs! Trotz der Gespenster.

Und dann:

Alles wieder auf Null

Alle Punkte weg. Gelöscht. Zurück auf Start.

Ist das nicht schrecklich frustrierend?

Doch es gibt links und rechts am Rand ja immer noch den Fluchttunnel im Pac-Man-Spiel.

Was ist mein Fluchttunnel?

Abstand.

Schaue ich an den Feiertagen zurück, stelle ich fest, dass ich es eigentlich ziemlich gut habe.

Die Familie ist gesund, die Rechnungen sind bezahlt und es war sogar noch etwas Geld für den einen oder anderen Aktienkauf übrig.

Alle Probleme waren irgendwie zu lösen.

Und: Blenden wir die tollen Momente des Jahres nicht aus …

Wir sagen: Danke!

Wir arbeiten in unserer Kanzlei mit unheimlich netten Menschen zusammen. Keine Gespenster!

Unsere Mandanten schenken uns jedes Jahr aufs neue das Vertrauen. Wir haben schließlich den vollständigen Einblick in ihre Finanzen.

Was keine Selbstverständlichkeit ist. Sie teilen mit uns ihre Sorgen über berufliche und private Gespenster.

An vielen Abenden kamen wir spät aus der Kanzlei und waren dennoch glücklich, weil die Beratungstermine mit unseren Mandanten so unglaublich nett waren.

Hierfür ein ganz großes Dankeschön!

Und nicht zu vergessen: Unsere Mitarbeiter.

Zuverlässigkeit, Fleiß, Ehrlichkeit und Loyalität. Das bekommen wir Jahr für Jahr von unserem Team geschenkt.

Auch das sorgt für Glücksgefühle, für die man viel zu selten Danke sagt!

Ach, wissen Sie was?

Irgendwie freue ich mich schon wieder auf das nächste Level …

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6 Kommentare

  1. Wunderbar!
    Genau so ist es, unser Leben!
    Also: Auf ins neue Level! Egal ob Steuerberatung oder Zahnmedizin.
    Herzliche Grüße,
    Dr. Veronika Vogt-Miermann

  2. … aus der Seele gesprochen!
    Vielen Dank und herzliche Grüße

    Jutta Hillen

  3. Gut geschrieben.

    Da merkt man, dass jemand schreibt, der auch Unternehmer ist.

    Ich stimme vor allem bei dem Punkt zu: Durch Kosteneinsparung macht man keinen Umsatz.

    Durch Rabattmarken-Sammeln wird man auch kein Millionär 😉

    LG, Walter

    • von Jens Hellmann

      Lieber Walter Epp, über dieses Lob freue ich mich sehr.
      Grüße aus Düsseldorf und Danke für den tollen Blog „Schreibsuchti“.