Arbeitszimmer absetzen: Vorsicht Steuerfalle!

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Wer wünscht sich das nicht:

Einen Teil des Eigenheims oder der Wohnung – genauer: das Arbeitszimmer – in der Steuererklärung geltend zu machen.

Mitsamt den Zinsen für die Hausfinanzierung, den Nebenkosten, den Aufwendungen für Fußboden, Anstrich, Möbel, und so weiter und so fort …

Wäre es nicht verschenktes Geld, auf diesen Steuervorteil zu verzichten?

Ja, wenn es nur so einfach wäre. Ist es leider nicht.

Warum das Arbeitszimmer mehr Steuerfalle als Steuersparmodell ist und welche legalen Gestaltungsmöglichkeiten es trotzdem gibt, erfahren Sie in diesem Artikel:

Was zählt als Arbeitszimmer?

Ganz einfach: Wir brauchen einen Raum.

Keinen Flur. Kein Durchgangszimmer. Keine Ecke hinter einem Vorhang.

Ein richtiges Zimmer.

Darin muss gearbeitet und nicht gewohnt werden. Und zwar fast ausschließlich.

Wenn Sie also in einer Ecke noch die Bügelwäsche liegen haben und in zwei anderen Ecken stehen Spielzeugeisenbahn und Gästebett, dann haben wir kein Arbeitszimmer.

Und nur ein solches wird steuerlich berücksichtigt.

Von einem „Arbeitswohnzimmer“ können Sie vielleicht noch den Schreibtisch und die Schreibtischlampe absetzen.

Mit anteiliger Miete, Zinsen, Abschreibung oder Fußbodenbelag brauchen Sie dem Finanzamt aber dann nicht zu kommen.

Heißt das im Umkehrschluss, dass man anteilige Haus-/Wohnungskosten absetzen darf, wenn man ein echtes Arbeitszimmer hat?

Es kommt drauf an …

Wo ist der Arbeitsmittelpunkt?

Wenn Sie ein Arbeitszimmer haben ist die nächste Frage, ob Sie in Ihrem Arbeitszimmer auch Ihren Arbeitsmittelpunkt haben.

Und wann hat man seinen Arbeitsmittelpunkt im Arbeitszimmer?

Wenn man die größten Teil seiner Arbeitszeit dort verbringt; könnte man denken. Aber leider falsch gedacht.

Das Finanzamt verlangt, dass der „qualitative Mittelpunkt“ der Berufstätigkeit im Arbeitszimmer liegt?

Wie ist das zu verstehen?

Man muss hier von außen auf seine Tätigkeit schauen.

Stellen Sie sich vor, Sie wären Unternehmensberater. Von Montag bis Donnerstag bereiten Sie Ihre Beratungen vor. Freitags beraten Sie. In irgendwelchen Firmen.

Die „prägende“ oder „echte“ oder eben „qualitative“ Arbeit wird hier vermutlich aus Sicht des Finanzamts am Freitag in den Beratungsgesprächen erbracht.

Und das ist der entscheidende Punkt. Ob der Unternehmensberater das fair findet, interessiert niemanden.

Vielleicht sind Sie auch Arzt und Gutachter und erstellen Gutachten über die Einstufung der Pflegebedürftigkeit von Patienten. Dazu untersuchen Sie die Patienten zu Hause oder einer Pflegeeinrichtung.

Danach erstellen Sie Ihr Gutachten im Arbeitszimmer. Was meinen Sie, wo ist der Arbeitsmittelpunkt?

Genau, auch hier liegt dieser nach Auffassung des Finanzamts nicht im Arbeitszimmer.

Der Arbeitsmittelpunkt bei mehreren Jobs

Wie sieht es aus, wenn man mehre Jobs hat und bei zumindest bei einem liegt der Mittelpunkt glasklar im Arbeitszimmer?

Auch das reicht leider nicht.

Alle Tätigkeiten werden zusammen betrachtet. Der Mittelpunkt Ihrer beruflichen Tätigkeiten muss dann insgesamt im Arbeitszimmer liegen.

In den seltenen Fällen, in denen tatsächlich ihr beruflicher Mittelpunkt im Arbeitszimmer liegt, könnten Sie alle Kosten für Ihr Arbeitszimmer geltend machen.

Das dürfte aber die Ausnahme sein. Zumindest bei unseren Mandanten.

Haben Sie Ihren beruflichen Mittelpunkt nicht im Arbeitszimmer, können Sie keine Kosten in Ihrer Steuererklärung geltend machen, es sei denn …

Sie haben keinen anderen Arbeitsplatz

Sind Sie Zahnarzt und haben einen eigenen Schreibtisch in der Praxis stehen, dann haben Sie einen anderen Arbeitsplatz an dem Sie Ihre Büroarbeit erledigen können.

Sie können sich dort nicht konzentrieren? Interessiert das Finanzamt nicht.

Sie machen Ihre Buchhaltung lieber zu Hause, damit Ihre Mitarbeiter keinen Einblick in Ihre Kontoauszüge haben? Interessiert das Finanzamt nicht.

Sie wollen am Wochenende arbeiten und nicht extra dafür in Ihre Praxis fahren? Interessiert das Finanzamt nicht.

Hoffnung macht nun allenfalls ein Urteil des Bundesfinanzhofs vom 22.07.2016:

Das Gericht sah einen Schreibtisch im Behandlungszimmer der Praxis eines Logopäden als unzumutbar an. Aber in diesem Fall nutzten die Angestellten den Schreibtisch.

Die Aufbewahrung privater Unterlagen war beispielsweise unmöglich, der Schreibtisch war von Mitarbeitern und Patienten nicht abschirmbar.

Mal sehen, ob das Finanzamt in Zukunft doch etwas großzügiger wird.

Diesen Betrag können Sie geltend machen

Nur, wenn Sie in Ihrer Praxis also kein Büro, keine Arbeitsecke oder keinen zumutbaren Schreibtisch stehen haben, wird das Finanzamt wirklich akzeptieren, dass Sie keinen anderen Arbeitsplatz haben.

Und wenn das so ist, dann dürfen Sie – halten Sie sich fest – Kosten in Höhe von bis zu 1.250 EUR im Jahr in Ihrer Steuererklärung geltend machen.

Führen Sie Ihre Praxis mit Ihrem Ehegatten zusammen und beide arbeiten am Wochenende im Arbeitszimmer, blieb es nach Meinung des Finanzamts bei einmal 1.250 EUR.

So war die Finanzamtsmeinung bis zum Jahr 2016.

Der Bundesfinanzhof hat in einem Urteil (VI-R-53/12) aus Dezember 2016 entschieden, dass Ehegatten den Höchstbetrag beide erhalten dürfen.

Dafür gibt es an anderer Stelle eine aktuelle Verschärfung durch die Finanzämter.

Ab den Einkommensteuererklärungen für 2018 wurden die im amtlichen Lohnsteuerhandbücher geändert. Diese beinhalten die offiziellen Gesetzesinterpretationen der Finanzverwaltung.

Und bei den Arbeitszimmern hat sich eine Neuerung eingeschlichen. Sofern nur ein Ehegatte das Arbeitszimmer nutzte, hatten die Finanzämter bis einschließlich 2017 nichts dagegen, wenn z.B. der Vertrag des Stromversorgers über beide Ehegatten lief.

Der Nutzer des Arbeitszimmers durfte die Kosten des Arbeitszimmers auch dann ansetzen, wenn diese Kosten zu 50% durch den Ehegatten getragen wurden.

Nun gilt diese Vereinfachung nicht mehr.

Bei den Kosten muss genau geprüft werden, wer diese Kosten geschuldet und getragen hat. Nur wenn der Arbeitszimmer-Ehegatte auch die Zeche bezahlt hat, darf er die Kosten als Betriebsausgaben ansetzen.

Im schlimmsten Fall purzeln also ab 2018 nochmal 50% der Arbeitszimmer-Kosten an der Steuererklärung vorbei.

So oder so gilt: Ein schwer zu erreichender Steuervorteil.

Obendrein noch ziemlich mickrig, denn 1.250 EUR kommen an Aufwendungen für ein eigenes Arbeitszimmer im Jahr schnell zusammen.

Kurzes Zwischenfazit:

Der Steuervorteil „Arbeitszimmer“ ist schwer zu erlangen. Darüber hinaus sind die Steuervorteile meist überschaubar.

Bis jetzt stellt sich die ganze Sache also eher ernüchternd dar.

Und jetzt kommen erst die Risiken …

Risiko Betriebsvermögen

Betriebsvermögen sind alle Gegenstände, die Sie für die Ihr Unternehmen oder Ihre Praxis nutzen.

Um bei Beispiel des Zahnarztes zu bleiben, gehören zum Betriebsvermögen die Behandlungsstühle, das Röntgengerät und so weiter.

Und wenn Sie ein Arbeitszimmer im Eigenheim für Ihre Praxis nutzen, ist dieser Raum eben auch „Betriebs-„ bzw. „Praxisvermögen“. Und das völlig unabhängig davon, ob Sie auch nur einen Euro dafür abgesetzt haben.

Die Eigenschaft als Betriebsvermögen führt immer dazu, dass ein steuerlicher Gewinn entstehen kann, wenn das Arbeitszimmer das Betriebsvermögen wieder verlässt.

Wann kann ein steuerlicher Gewinn entstehen?

Fakt ist: Das Arbeitszimmer muss irgendwann aus dem Betriebsvermögen wieder raus.

Zum Beispiel wenn Sie Ihr Haus verkaufen. Oder wenn Sie Ihre Praxis oder Ihr Unternehmen verkaufen. Oder wenn aus dem Arbeitszimmer ein Kinderzimmer wird.

Was passiert dann?

Nehmen wir einmal an, Sie verkaufen Ihr Haus mit 100 qm Wohnfläche für 1.000.000 Euro.

(Klingt viel, ich weiß, aber ist ja nur ein Beispiel …)

15 qm haben Sie als Arbeitszimmer genutzt. Das Arbeitszimmer war steuerlich nicht absetzbar, weil Sie Arzt sind und einen Schreibtisch in Ihrer Praxis stehen hatten.

Trotzdem war das Arbeitszimmer – aufgrund der Nutzung für die Praxis – Betriebsvermögen. Sie haben das Haus vor 30 Jahren für 500.000 Euro gekauft.

Jetzt wird es leider teuer.

Denn Sie machen mit dem Hausverkauf einen Gewinn in Höhe von 500.000 Euro. 15 Prozent davon entfallen auf das Arbeitszimmer, somit 75.000 Euro.

Diese müssen Sie versteuern, macht grob überschlagen 35.000 Euro Steuern.

35.000 Euro Steuern weil Sie vor dreißig Jahren ein Arbeitszimmer geltend gemacht hat, das nie zu einem Steuervorteil geführt hat.

Au weia …

Die Bagatellregel

Da der Gesetzgeber manchmal, aber auch nur manchmal(!) ein weiches Herz hat, gibt es eine Bagatellregel:

Ist der anteilige Immobilienwert des Arbeitszimmers kleiner als 20 Prozent der gesamten Immobilie und liegt der Wert des Arbeitszimmers anteilig bei nicht mehr als 20.500 Euro, braucht man das Arbeitszimmer nicht als Betriebsvermögen zu behandeln.

Aber mal ehrlich, bei den aktuellen Immobilienpreisen sind die 20.500 Euro schnell überschritten.

Achtung: Falle bei der Bagatellregel

Vielleicht haben Sie sich gerade gefreut, weil Ihr Arbeitszimmer gerade noch so gerade in die Bagatellregel passt.

Kein Betriebsvermögen. Super!

Entspannt verkaufen Sie daher Ihr Eigenheim – diesmal zum Beispiel nach 8 Jahren – mit Gewinn.

Dumm ist jetzt nur folgendes: Das Arbeitszimmer ist zwar kein Betriebsvermögen. Es wurde aber dennoch nicht zu so genannten „Wohnzwecken“ genutzt.

Und wenn Sie Immobilien – die Sie nicht selbst bewohnt haben – innerhalb von 10 Jahren nach Kauf mit Gewinn verkaufen, ist der Gewinn zu versteuern.

Bingo!

Auch hier zahlen Sie wieder Steuern auf den anteiligen Gewinn des Arbeitszimmers.

Ich hoffe, Sie haben bisher keine schlechte Laune beim Lesen bekommen?

Bitte nicht den Überbringer der schlechten Nachricht köpfen, ich habe diese Regeln nicht gemacht.

Hoffnung macht in einem solchen Fall das rechtskräftige Urteil des Finanzgerichts Köln vom 20.03.2018.

Die Kölner kamen zu dem Ergebnis, dass ein Arbeitszimmer eben doch Wohnzwecken dient. Wie die Finanzämter mit diesem Urteil umgehen werden, wird sich zeigen.

Es bleibt gefährlich.

Ich wäre aber kein echter Steuerberater, wenn ich nicht die eine oder andere Idee hätte, wie sie die gesetzlichen Vorschriften zu Ihren Gunsten anwenden können …

Gestaltungstipp 1: Das Bügelbrett

Quizfrage: Sie sind Arzt mit eigener Praxis und Schreibtisch in der Praxis. Sie haben im Eigenheim dennoch ein Arbeitszimmer weil Sie am Wochenende lieber von zu Hause Ihren Papierkram erledigen.

Was tun Sie?

Sie stellen das Bügelbrett in Ihr Arbeitszimmer. Und die Carrera-Bahn der Kinder kommt auch noch rein.

Schon haben Sie kein Arbeitszimmer mehr und Sie tappen nicht in eine der genannten Steuerfallen.

Gestaltungstipp 2: Außerhäusliches Arbeitszimmer

Angenommen, Sie wohnen weit von Ihrem Unternehmen oder Ihrer Praxis weg und wollen die Büroarbeit gerne am Wochenende machen.

Zu Hause lauern die bereits erwähnten Steuerfallen. Zudem basteln die Kinder dort aus Ihren Kontoauszügen bevorzugt Papierflieger …

Vielleicht gibt es ja – zum Beispiel im Nachbarhaus – ein kleines Apartment was angemietet werden könnte?

Dort könnten Sie Ihr Büro unterbringen.

Dies wäre auch kein Arbeitszimmer im steuerlichen Sinne. Das heißt, die Kosten für dieses Apartment können Sie voll absetzen.

Die gleiche Gestaltung funktioniert übrigens leider nicht mit der Nachbarwohnung im gleichen Haus.

Gestaltungstipp 3: Die Notfallpraxis

Eine ärztliche Notfallpraxis im Eigenheim ist kein häusliches Arbeitszimmer. Sogar dann nicht, wenn sie mit den Wohnräumen des Arztes verbunden ist (BFH Urteil vom 5.12.2002, IV R 7/01, BStBl II 2003, 463).

Ist die Notfallpraxis nicht zur »Schreibtischtätigkeit« bestimmt, ist sie kein Arbeitszimmer mehr.

Auch der Schreibtisch in der Ecke stört dann nicht. Dann wären alle Kosten wieder absetzbar.

Das Finanzgericht in Münster fordert jedenfalls einen separaten Eingang für die Notfallpraxis. Über diese Rechtsfrage wird noch der Bundesfinanzhof zu entscheiden haben (FG Münster 14.7.17, 6 K 2606/15 F; Rev. BFH VIII R 11/17).

Aber Achtung: Die Betriebsvermögen-Falle bleibt auch hier!

Arbeitszimmer absetzen – das Schlussfazit

Steuerlich betrachtet schadet das häusliche Arbeitszimmer in den meisten Fällen mehr als es nützt.

Zumindest bei Selbständigen, die noch einen Arbeitsplatz in ihrer Firma oder Praxis haben.

Ich habe diesen Artikel übrigens in meinem Wohnzimmer geschrieben.

Nur für den Fall, dass jemand fragt …

32 Kommentare

  1. von m.hecker

    Lieber Herr Hellmann,

    sehr informativ und unterhaltsam geschrieben.
    Gerne mehr …:-)
    Mit freundlichen Grüßen

    M.Hecker

  2. von Manfred Niedemeyer

    Zieht denn die Steuerfalle beim Immobilienverkauf nicht nur innerhalb der zehnjährigen Spekulationsfrist?

    • von Jens Hellmann

      Lieber Herr Niedemeyer, leider nein. Sobald das Arbeitszimmer das „Betriebs-/Praxisvermögen“ verlässt, muss ein Gewinn ermittelt werden, ggf. auch nach 20 oder 30 Jahren. Obendrein läuft ab dem Entnahmezeitpunkt wieder eine zehnjährige Spekulationsfrist.
      Liebe Grüße
      Jens Hellmann

  3. von Oliver Schultze

    Hallo Herr Hellmann,
    Ihre Aufklärung fand ich schon sehr informativ.

    Wie ist es bei folgender Situation mit einem nicht selbstänstigen Arbeitsplatz von zu Hause aus?
    Da es kein eigenes Zimmer gibt, verrichtet meine Frau Ihre Tätigkeit im heimischen Wohnzimmer (Mietwohnung).
    Nachdem sie von Ihrem Arbeitgeber die zu bearbeitenden Unterlagen abgeholt hat, belegt sie ca. 5-7 qm von dem 25 qm Raum wärend sie die Arbeit verrichtet.
    Gleichzeitig halten wir (zwei Kinder und ich) uns zeitweise aber auch in dem Raum auf.
    Alternativ könnte der beanspruchte Platz für die Tätigkeit ebenso im Schlafzimmer abgeteilt werden. Hier wäre in dem Zeitrahmen der Tätigkeit kein Aufenthalt von den Kindern uns mir.

    Gibt es hier für uns eine Regelung, evtl. mit dem hier anteilig beanspruchten Platz, die für uns beim FA zutreffend absetzbar wäre?

    Mit freundlichen Grüßen
    Oliver Schultze

    • von Jens Hellmann

      Guten Tag Herr Schultze,

      die Thematik der „Arbeitsecke“ ist häufiger auch Gegenstand finanzgerichtlicher Verfahren. Leider ist die Finanzverwaltung und auch die Rechtsprechung hier bislang hartnäckig. Das bedeutet, dass das Arbeitszimmer ein separates, räumlich von den übrigen Zimmern abgetrenntes Zimmer sein muss. Zusätzlich muss dieses Zimmer auch nahezu ausschließlich beruflich genutzt werden, damit ein Werbungskostenabzug für die auf das Arbeitszimmer entfallenden Kosten infrage kommt. Eine Arbeitsecke im Wohnzimmer ist daher nicht zum Abzug zugelassen.

      Leider würde sich für Sie auch keine andere Situation ergeben, wenn die berufliche Tätigkeit in einer Arbeitsecke im Schlafzimmer erfolgen würde. Denn auch das Schlafzimmer wird vorwiegend zu privaten Zwecken, der nächtlichen Erholung, genutzt. Eine nahezu ausschließlich berufliche Nutzung müsste jedenfalls verneint werden. Im Übrigen darf in einem steuerlich begünstigten Arbeitszimmer kein Bett stehen, nicht einmal ein Gästebett.

      Ein bisschen Hoffnung kann ich Ihnen hier jedoch machen. Unabhängig davon, ob das Finanzamt ein Arbeitszimmer zum Abzug anerkennt oder nicht, können zumindest der Schreibtisch, der Bürostuhl, der PC etc. als Arbeitsmittel steuerlich abgesetzt werden.

  4. von Oliver Schultze

    Guten Morgen Herr Hellmann,

    vielen Dank für die dedailierte Erläuterung.

    MfG O.Schultze

  5. von Christian Seifenberg

    Sehr geehrter Herr Hellmann,
    zunächst vielen Dank für die informative Erläuterung.
    Ich hätte gerne noch Fragen zu Maximalgrenze von 1250 Euro.
    Ich arbeit in einem Teilzeit-Arbeitsverhältnis (20 Wochenstunden) in einem Anwaltsbüro und zusätzlich als nebenberuflich selbständiger Rechercheur im heimlichen Arbeitszimmer im Eigentumshaus. Für das Arbeitszimmer möchte ich gerne die Maximalgrenze von 1250 Euro geltend machen, wobei ich die von Ihnen genannten Steuerfallen vermeiden will, dass das Arbeitszimmer vom Finanzamt als Betriebsvermögen festgesetzt wird oder ähnliches, was nachhinein finanzielle Nachteile mit sich bringen kann.
    Daher möchte ich nur die jährlichen Nebenkosten (Schuldzinsen, Grundsteuer, Schornsteinfeger, Gebäudeversicherung etc.) für das Haus und somit anteilig für das Arbeitszimmer sowie die Ausstattung des Arbeitszimmers steuerlich absetzen lassen.
    Ist dies überhaupt möglich, ohne dass das Arbeitszimmer als Betriebsvermögen festgesetzt wird bzw. beim Verkauf des Hauses steuerliche Nachforderung entsteht?
    Wenn ja, wie kann ich es vermeiden?
    Vielen Dank im Voraus!
    C.S.

    • von Jens Hellmann

      Lieber Herr Seifenberg,
      da es bei Ihnen etwas komplizierter ist, haben wir Ihnen eine EMail geschrieben. Ich hoffe die Infos helfen Ihnen weiter.

      Liebe Grüße

      Jens Hellmann

    • von John McCork

      Schade Herr Hellmann, dass Sie Herrn Seifenberg per Mail geantwortet haben und nicht öffentlich, da die Frage „Nebenkosten (und evtl. AfA) für das Arbeitszimmer im Nebengewerbe absetzen, ohne das Zimmer ins Betriebsvermögen aufzunehmen“ bestimmt viele andere, wie z.B. mich, ebenfalls interessiert 🙂

    • von Jens Hellmann

      Hallo Herr Seifenberg, sofern Sie Eigentümer der Immobilie sind und den Abzug der Nebenkosten und Abschreibungen über Ihre selbständige Tätigkeit erreichen wollen, geht das nur über den Weg des Betriebsvermögens.
      Viele Grüße, Jens Hellmann

  6. von Alexander Henke

    Sehr geehrter Herr Hellmann,

    vielen herzlichen Dank für die Aufklärung zur Steuerfalle. Dem bisher gelesenem entnehme ich, dass diese Falle bei hauptsächlich Selbstständigen und Freiberuflern zuschnappt.

    Wie ist es bei Angestellten, deren häusliches Arbeitszimmer den Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit darstellt und dieses Arbeitszimmer im Eigeneheim ist?
    Gibt es beim Hausverkauf (nach mehr als zehn Jahren ohne Spekulationsgewinn) ebenfalls eine Versteuerung des möglichen Gewinns, anteilig auf das Arbeitszimmer? Angestellte haben ja schließlich kein Betriebsvermögen, können aber ebenfalls AfA geltend machen, sofern ich das richtig verstanden habe.

    Mit freundlichen Grüße,

    A.H.

    • von Jens Hellmann

      Genau! Die Steuerfalle schnappt nur bei Selbständigen zu.
      Angestellte können nach mehr als zehn Jahren steuerfrei verkaufen.

  7. von Jenny S.

    Sehr geehrter Herr Hellmann,

    vielen Dank für diesen ausführlichen und amüsant geschriebenen Artikel! Ich weiß gar nicht, ob ich schmunzeln soll (über Ihren tollen Schreibstil) oder sauer sein soll (auf die Rechtssprechung). Vermutlich beides gleichzeitig.
    Ist es nicht ein wahnsinniger Teufelskreis? Erinnert mich an: die Armen werden immer ärmer, die Reichen immer reicher. Ich bin komplett freiberuflich und führe den Hauptteil meiner Tätigkeit zu Hause am Schreibtisch aus. Es geht nicht anders, mein Zuhause ist mein Arbeitsplatz. Mein Schreibtisch und Laptop stehen im Wohnzimmer, da es keinen zusätzlichen Raum in meiner Wohnung gibt. Gilt also nicht als Arbeitszimmer, das habe ich verstanden. Hätte ich mehr Geld, könnte ich mir eine größere Wohnung leisten mit zusätzlichem reinen Arbeitszimmer. Das könnte ich dann von der Steuer absetzen. Toll! Aber: jetzt habe ich nicht diese Möglichkeit, denn das Geld ist (wie bei vielen) knapp. Und zusätzlich „bestraft“ mich das Finanzamt, weil ich – obwohl ich von zu Hause aus arbeite – nicht einen Cent für mein „Arbeitseckchen“ absetzen darf. Sprich: ich muss am Ende mehr Einkommenssteuer zahlen. Hat zur Folge: es bleibt weniger Geld auf der Hand übrig. Hat zur Folge: mein Traum von einer größeren Wohnung mit einem winzig kleinen Arbeitszimmer (5 qm reichen!!) rückt noch weiter in die Ferne. Wo ist da die Logik?

    Ich bin sicher, ich bin nicht die Erste und auch nicht die Letzte, die das nicht kapiert…

    Vielen Dank im Voraus!
    J. S.

    • von Jens Hellmann

      Liebe J.S. ,
      alles richtig verstanden. Leider….
      Ich drücke trotzdem weiter die Daumen, dass es bald mit einer größeren Wohnung – mit Arbeitszimmer – klappt!

    • Sorry, ich finde das jetzt ein wenig zu jämmerlich. Absetzen kann man nur Kosten, die man für die Erwerbstätigkeit aufgewendet hat. Da Sie im Wohnzimmer, am Küchentisch etc. arbeiten, haben Sie keine Mehrkosten als wenn Sie einfach nur dort wohnen würden. Insofern ist das schon OK so.
      Gruß E.A.

  8. von Hans Peter Holz

    Sehr geehrter Herr Hellmann,

    besten Dank für Ihre Ausführungen. Gerne würde ich zwei Fragen anknüpfen:

    1.) Ich suche nach einer Konkretisierung des Arbeitsmittelpunktes. Einerseits dürfen Rentner, die ihr Immobilienvermögen von zu Hause aus verwalten, ein Arbeitszimmer in voller Höhe absetzen, aber Berater, die 4 von 5 Arbeitstagen zu Hause arbeiten nicht. Wo kann man da eine Linie finden?

    2.) Ist mein Eindruck zutreffend, dass es eigentlich nur in einer Mietwohnung Sinn macht, die volle Absetzbarkeit eines Arbeitszimmer durchzusetzen? Ich habe Ihre Ausführungen so verstanden, dass sich die Vorteile mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit nachher durch die „Rückführung des Arbeitszimmers“ in das Privatvermögen wieder verlieren. (zumindest bei steigenden Immobilienpreisen)

    Wie sieht die Einordnung in Betriebsvermögen denn aus, wenn man nur eine begrenzte Abzugsfähigkeit in Form der Höchstgrenze von 1.250 Euro zuerkannt bekommen hat? Besteht die von Ihnen beschriebene Falle dann auch?

    Ich würde mich sehr freuen, von Ihnen eine aktuelle Einschätzung erfahren zu dürfen.
    Mit freundlichen Grüßen
    HPH

    • von Jens Hellmann

      Lieber Herr Holz,

      letztlich ist jeder Fall eine Einzelfallentscheidung.
      Ob sich bei Ihnen der qualitative Schwerpunkt der Arbeit im Arbeitszimmer oder außerhalb befindet, kann pauschal nicht beantwortet werden.
      Man müsste Ihre Tätigkeit einmal mit den Fällen der Rechtsprechung abgleichen.

      Die Problematik des Betriebsvermögens betrifft nur Selbständige, die das Arbeitszimmer im Eigenheim haben.
      Die Falle schnappt auch dann zu, wenn Sie keinen einzigen Euro steuerlich absetzen durften (weil sie zum Beispiel noch einen anderen Arbeitsplatz zur Verfügung hatten).

      Ich persönlich würde auf ein häusliches Arbeitszimmer wg. der beschriebenen Nachteile verzichten.
      Ob es sich unterm Strich rechnet oder nicht, hängt natürlich von vielen Faktoren ab (laufende Kosten, Höhe der Abschreibung, Wertentwicklung der Immobilie, etc.).

      Viele Grüße

      Jens Hellmann

  9. von Cornelia Köhn

    Hallo, Herr Hellmann,

    na, dann ist es bei mir ja richtig kompliziert. Ich arbeite 4 Tage im Büro und 2 Tage freiberuflich in meinem Arbeitszimmer. Die Freiberuflichkeit hat nichts mit der angemeldeten Tätigkeit zu tun. Ich tippe Gutachten nach Diktat vom Band und schreibe Berichte für zwei Zeitungen. Bis Ende 2017 arbeitete ich im eigens für mich umgebauten (eiskalten und schwer zu heizenden) Dachboden, seit Januar bin ich im ehemaligen Zimmer meiner Tochter, die ausgezogen ist. Beide Räumlichkeiten sind für sich, also kein Durchgang oder Ecke und werden nur von mir genutzt. Ich habe nach 8 Jahren auch so ein Schreiben vom Finanzamt bekommen, das ich ausfüllen soll. Wie schätzen Sie die Lage in diesem Fall?
    Irgendwie bitter, da gehen Milliardenbeträge am Fiskus vorbei ins Ausland und uns Kleine nehmen sie aufs Korn.

    Freundliche Grüße

    Cornelia Köhn

    • von Jens Hellmann

      Liebe Frau Köhn,

      grundsätzlich müsste Ihnen für Ihre freiberufliche Tätigkeit ein Betriebsausgabenabzug für das Arbeitszimmer zustehen, da Ihnen hierfür kein weiteres Büro o.Ä. zur Verfügung steht. Es spielt im Zweifel keine Rolle, ob die freiberufliche Tätigkeit Ihre Haupttätigkeit oder eine nebenberufliche Tätigkeit ist. Nach Ihren Ausführungen sind die grundsätzlichen Voraussetzungen (abgeschlossener Raum, fast ausschließliche berufliche Nutzung) erfüllt. Ob die schwere bis fehlende Beheizbarkeit des Dachbodens evtl. eine Rolle spielen könnte, müsste bei einem Streitfall im Einzelfall entschieden werden.

      Eine Falle gibt es noch bei dem typischen Fall „ehemaliges Kinderzimmer“. Um es steuerlich als Arbeitszimmer anzuerkennen, darf hierin kein Bett mehr stehen, auch nicht ein Gästebett. Auch sollten sämtliche persönliche Sachen (z.B. alte Spielsachen, Kleidung) Ihrer Tochter nicht mehr in dem Zimmer sein.

      Aus der Erfahrung heraus können wir sagen, dass das Finanzamt bei Arbeitszimmern genau hinsieht. Manchmal auch dann, wenn man das Arbeitszimmer schon seit Jahren in seiner Steuererklärung geltend macht. Wichtig ist, dass Sie in jedem Fall (oftmals auch dokumentiert durch Fotos) nachweisen können, dass es sich um einen abgeschlossenen Raum handelt und dass Sie diesen Raum nicht noch anderweitig (privat) nutzen.

      Falls es sich um ein Eigenheim handelt und Sie das Arbeitszimmer für die freiberufliche Tätigkeit nutzen, denken Sie an die Betriebsvermögen-Fallen!

      Viele Grüße!

  10. von Kirchhof

    Sehr geehrter Herr Hellmann,
    vielen Dank für diesen witzig geschriebenen Artikel über ein furchtbar trockenes Thema.
    Ich mache gerade unsere Steuererklärung 2017 und stehe vor der Wahl, ob ich das Arbeitszimmer mit angebe oder nicht.
    Ganz grob zu meiner Situation.
    Ende 2016 haben wir ein Reihenhaus erworben (50% ich, 50% mein Mann). Mit allen Erwerbsnebenkosten und Ausgaben für das Anlegen der Außenanlagen ergibt sich ein Gesamtwert von ca. 400.000,- € (90% davon entfallen auf das Gebäude). Das Haus hat eine Gesamtwohnfläche von 139 qm, wovon 35 qm ausgebauter Dachboden sind (großes Zimmer und kleines Bad, jedoch nicht das Familienbadezimmer, sondern hauptsächlich für die Büronutzung). Das sind ca. 25 % der Gesamtwohnfläche und deswegen über der Bagatellegrenze.
    In 2017 habe ich eine Selbständigkeit in dem Bereich e-commerce aufgenommen. Arbeite aus diesem Arbeitszimmer und habe keinen weiteren Arbeitsplatz. Deswegen unbegrenzt absetzfähig.
    In meinem Steuerprogramm haben alle Angaben (Afa, Zinsen, Heizkosten, Strom, Müll usw.) eine Steuererstattung von ca. 1500,- Euro ergeben. (Gesamtbetrachtung der Steuer meines Mannes aus einem Angestelltenverhältnis und meiner EÜR)
    Mein Plan ist bis jetzt ca. 3 bis 5 Jahre als Selbstständige zu arbeiten und dann (wenn die Kinder größer sind) wieder ins Angestelltenverhältnis zu wechseln.
    Jetzt bin ich natürlich durch ihren Artikel gewarnt, dass das Arbeitszimmer nach Aufgabe der Selbstständigkeit und privat Entnahme des betriebsnotwendigen Vermögens zu großen Steuernachteilen führen kann.
    Jetzt zu meinen Fragen:
    1. Besteht das Risiko der Steuernachzahlung nur, wenn man eine günstige Immobilie gekauft hat, die eine hohe Wertsteigerung erfahren hat, sodass der Gewinn versteuert werden muss? Da unser Haus ja im Einkauf relativ teuer war, gehe ich nicht davon aus, dass noch eine weitere Wertsteigerung in den nächsten Jahren zu erwarten ist. Laufe ich trotzdem Gefahr in einigen Jahren nach Aufgabe der Selbstständigkeiten eine große Steuernachzahlung zu erhalten, wenn ich jetzt das Arbeitszimmer in meiner Steuererklärung mitberücksichtige?
    2. Wird es auch betriebsnotwendiges Vermögen, wenn ich nur die Raumkosten (Zinsen, Strom, Grundsteuern) ansetze und die Afa nicht berücksichtige?
    3. Da das Haus und auch der Dachboden zur Hälfte meinem Mann gehört, gehen dann nur 50 % zum betriebsnotwendigen Vermögen über? Wobei ich jetzt die gesamten 35 qm bei der Steuererklärung angebe.
    4. Wie sieht es aus, wenn wir das Haus nach 8 Jahren verkaufen würden. Durch die vorherige Privatnutzung wäre ein evtl. Gewinn steuerfrei, aber wie verhält es sich, wenn die Jahre davor das Arbeitszimmer mit abgesetzt wurde, jedoch durch vorherige Geschäftsaufgabe wieder ins Privatvermögen übergegangen ist?
    5. Wie hoch ist das Risiko einer tatsächlichen Steuernachzahlung? Oder beträgt die Nachzahlung ungefähr der Höhe, der über die Jahre aufsummierten Steuerersparnisse? Also eine plus-minus-Nullrechnung. Die kommenden Jahre steuern sparen und nach Geschäftsaufgabe eine Nachzahlung in Höhe des Gesparten? Oder kann es auch sein, dass die Nachzahlung viel größer ausfällt, als das was man die Jahre davor gespart hat?
    6. Gestaltungstipp 1 habe ich nicht ganz verstanden. Heißt es, man setzt das Zimmer gar nicht erst bei der Steuer an?
    Ich hoffe ich habe Sie jetzt mit so vielen Frage nicht erschlagen :o)

    Viele Grüße

    • von Jens Hellmann

      Uff, eine Menge Fragen. 😉
      Und vielen Dank für das Lob, ich versuche einmal auf die Schnelle zu antworten:

      Zu 1. Man muss die Wertsteigerung versteuern. Außerdem wird die geltend gemachte Abschreibung quasi „rückabgewickelt“. Daher dürfte sich fast immer ein Gewinn ergeben.

      Zu 2. Ja, die Nutzung des Raumes entscheidet ob das Zimmer Betriebsvermögen wird oder nicht. Ob man das Zimmer in der Steuererklärung ansetzt oder nicht, spielt theoretisch keine Rolle.

      Zu 3. Ja, nur die 50% wären „echtes“ Betriebsvermögen. Bei dem Anteil Ihres Mannes dürfte es sich für Sie aber um „Quasi-Betriebsvermögen“ handeln. Hierbei dürfen Sie die Kosten – sofern diese von Ihnen getragen wurden – ansetzen, müssen aber keine stillen Reserven in Ihrem Betrieb versteuern.

      Zu 4. Sobald Sie das Arbeitszimmer – durch Nutzungsänderung oder Aufgabe Ihrer Tätigkeit – aus dem Betriebsvermögen entnehmen, läuft insoweit für das Arbeitszimmer eine neue Spekulationsfrist ab dem Zeitpunkt der Entnahme!

      Zu 5. Teuer wird es bei echten Wertsteigerungen, ansonsten zahlt man „nur“ den Vorteil der Abschreibungen zurück.

      Zu 6. Genau richtig verstanden. Wenn ich ein Arbeitszimmer nutze und es sich womöglich als Bumerang erweist, dann lieber das Arbeitszimmer zu einem gemischt genutzten Zimmer machen und gar nicht ansetzen.

      Ich hoffe ich konnte mit diesen wenigen Zeilen ein wenig Klarheit schaffen.

      Liebe Grüße

      Jens Hellmann

  11. Hallo Herr Hellmann,
    vielen Dank für diesen wertvollen Artikel!
    Die Antworten auf die Fragen von „Kirchhof“ haben mir schon sehr geholfen und wirft bei mir jetzt die Frage auf ansetzen oder nicht…
    Wir haben letztes Jahr ein Haus gekauft und als Freiberufler nutze ich ein Zimmer mit Bad als Arbeitszimmer – manchmal habe ich auch Kunden vor Ort.
    Aktuell renovieren wir das ganze Haus. Somit auch den Teil des Arbeitszimmers.
    Verstehe ich es richtig, dass wenn ich mich gegen die Afa entscheide (gemischte Nutzung), auch keine Renovierungskosten ansetzten kann?
    Sollte das Arbeitszimmer als Betriebsvermögen laufen und irgendwann wieder privat genutzt werden, wie wird der dann zu versteuernde Anteil genau berechnet?

    Schon mal vielen Dank…

    Freundliche Grüße
    Natalie Mühlen

    • von Jens Hellmann

      Liebe Frau Mühlen, ja genau.
      Bei einer gemischten Nutzung können Sie die Renovierungskosten nicht geltend machen.
      Nehmen wir einmal an, dass Ihr Eigenheim 500.000 EUR gekostet hat.
      Davon entfallen z.B. 100.000 Euro auf den Grund und Boden.
      Und 20% der Wohnfläche entfallen auf das Arbeitszimmer.
      Dann müssten Sie – bei Alleineigentum – 20% des Bodens und des Gebäudes in „Ihre Bücher“ nehmen.
      Somit 20.000 EUR für den Boden und 80.000 EUR für das Gebäude.
      Das Gebäude können Sie abschreiben, den Boden nicht.
      Nach z.B. 20 Jahren hätten Sie das Gebäude auf ca. 30.000 EUR abgeschrieben.
      Wenn Sie nun z.B. das Haus für 600.000 EUR verkaufen, entfallen davon 20% auf das Arbeitszimmer = 120.000 EUR.
      Der Restwert in Ihren Büchern beträgt nur noch 50.000 EUR (30.000 Gebäude und 20.000 Boden).
      Dann müssten Sie den Unterschiedsbetrag – 70.000 EUR – versteuern.
      Je nach Steuersatz und Kirchenzugehörigkeit könnten dann 35.000 EUR fällig werden.
      Nachvollziehbar?

  12. von Harald Öfinger

    Hallo Herr Hellmann,

    ich erziele Einkünfte aus diversen Aufsichtsratstätigkeiten und möchte nun mein Arbeitszimmer steuerlich geltend machen. Des Weiteren bin ich in der passiven Phase der Altersteilzeit angestellt.

    Wenn ich später meine Aufsichtsratstätigkeit aufgebe, kann ich dann nicht von der 55er Regelung Gebrauch machen, d.h. auch wenn ein Buchgewinn bei Niederlegung der Aufsichtsratsmandate entstehen sollte, könnte dieser doch bis zu 46.000 EUR steuerfrei sein und darüber hinaus dann nur mit 56 % des Durchschnittssteuersatz zu versteuern sein.

    HO

    • von Jens Hellmann

      Hallo Herr Öfinger, das ist völlig richtig. Der Freibetrag wird einmal im Leben in Höhe von 45.000 EUR gewährt. Der „halbe“ Steuersatz kann separat davon zusätzlich beantragt werden wenn die Voraussetzungen vorliegen.
      Voraussetzung: Sie sind mindestens 55 Jahre alt oder dauerhaft berufsunfähig, der Aufgabegewinn beträgt maximal 136.000 EUR (ansonsten schmilzt der Freibetrag ab) und Sie stellen Ihre Tätigkeit ein.
      Vielleicht lesen Sie einmal den Artikel zu den NO-Gos bei Praxisverkäufen. Dort finden Sie mehr Details zur Beendigung der Tätigkeit.

      Viele Grüße, Jens Hellmann

  13. von Mirko Restemeier

    Hallo Herr Hellmann, vielen Dank für den guten Artikel.
    Ich habe in Anlehnung an die Frage von Frau Mühlen noch folgenden Klärungsbedarf:
    Gehe ich richtig in der Annahme, dass wenn das Haus mit dem Arbeitszimmer unmittelbar nach dem Kauf Kernsaniert wird, diese Sanierungskosten nicht anteilig als Betriebsausgabe angesetzt werden können, sondern nur nach AfA, wegen „Anschaffungsnahen Aufwendungen“? Also Kaufpreis Haus 300.000 + Sanierung 200.000 = Wert 500.000EUR und 10% Anteil Arbeitszimmer macht 1.000EUR jährliche anteilige Kosten bei 2% AfA?
    Und wie ist die Rechnung bei gemeinsam erworbenem Eigentum aber nur Einer der Beiden nutzt das Arbeitszimmer als Freiberufler incl. Arbeitsmittelpunkt. Wird dann das Betriebsvermögen zu 50.000EUR gerechnet oder nur die Hälfte davon?
    Und wie verhält es sich mit den anteiligen Kaufnebenkosten: Makler, Grunderwerbsteuer, …
    Danke und viele Grüße, Mirko Restemeier

  14. von Kristina Klein

    Hallo Herr Heilmann,

    vielen Dank für den informativen Beitrag.

    Ich bin Lehrerin und habe in meinem Eigenheim ein abgetrenntes Arbeitszimmer, in dem ich nachmittags und am Wochenende Arbeiten korrigiere und meinen Unterricht vorbereite. Wie sieht es in meinem Fall aus, kann ich als Lehrer den vollen Betrag in Höhe von 1.250 Euro absetzen ohne in eine Steuerfalle zu treten?

    Vielen Dank vorab!

    K. Klein

    • von Jens Hellmann

      Hallo Frau Klein, lediglich der Verkauf des Hauses innerhalb der Spekulationsfrist von 10 Jahren könnte zu Problemen führen.

      Viele Grüße

      Jens Hellmann

  15. von Riecka Baer

    Sehr geehrter Herr Hellmann,

    erst einmal herzlichen Dank für diesen launigen Beitrag.
    Wir haben 2018 eine im Bau befindliche Immobilie gekauft – mit einem Arbeitszimmer, denn wir beraten Kunden in Übersee (selbständige Tätigkeit). Durch die Zeitzonen ist es – auch in Bezug auf ein Familienleben – besser im Homeoffice zu arbeiten. Der regelmäßige Besuch der Kunden schließt sich durch die Entfernung aus.

    Meine Frage bezieht sich darauf, ob und welche Kosten für die Anschaffung anteilig geltend gemacht werden können. Wäre dies auch im Jahr des Kaufs (2018) möglich, obwohl die Immobilie erst 2019 fertig gestellt wird – und somit das Arbeitszimmer erst dann bezogen wird?
    Vielen Dank vorab und freundliche Grüße
    Riecka Baer

  16. von Corinna Peter

    Sehr geehrter Herr Hellmann,
    wenn ich als Lehrerin mein Arbeitszimmer im Eigenheim bisher steuerlich geltend gemacht, muss es beim Verkauf der Immobilie vor Ablauf der Spekulationsfrist unweigerlich versteuert werden? Auch wenn ich es im Verkaufsjahr zusätzlich als Gästezimmer genutzt habe?
    Vielen Dank vorab!

  17. von Tina Rakowski

    Sehr geehrter Herr Hellmann,

    mein Mann wechselt im Februar in eine neue Firma als Bauleiter. Ab diesen Zeitpunkt arbeitet er 3-4 Tage in der Woche im Homeoffice (ist sogar im Vertrag festgelegt). Da unser Häuschen (Eigentum) recht klein ist, wollen wir ein Gartenhaus in den Garten stellen und dieses als Büro einrichten.
    Ich habe mich jetzt tagelang durch verschiedene Artikel gelesen und sehe es so, dass das Gartenhaus als „außerhäusiges“ Arbeitszimmer gilt und wir alle Kosten (auch die Anschaffungskosten)steuerlich gelten machen können.
    Alle Gegenstände, die mehr als 952,–Euro brutto kosten, müssen abgeschrieben werden. Das ist verständlich. Jetzt meine Fragen:
    – wie sieht es mit der Anschaffung des Gartenhauses aus? Muss dass auch abgeschrieben werden? Die Kosten sind ja über 952,– 🙂
    – in welcher Steuererklärung gebe ich die Kosten an? In der von 2019, da in dem Jahr alles angeschafft wird, oder 2020, weil da erst sein Arbeitsbeginn ist?
    – gebe ich alle Kosten (Gegenstände, Anschaffung Haus, Kosten für Erdaushub und ähnliches) bei den Werbungskosten an?

    Es wäre super, wenn Sie uns mit den Fragen weiterhelfen können!
    Vielen DANK und ein schönes Wochenende

    Tina Rakowski

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